Es ist das Jahr 1903, als in der sächsischen Stadt die 'Königlich Sächsische Staatseisenbahn' den Grundstein für das neue Reichsbahnausbesserungswerk legt und damit der Industriestadt einen neuen großen Industriestandort schafft. Fünf Jahre später, wird das RAW feierlich eröffnet und konzentriert sich mit über 2000 Beschäftigten auf die Wartung und Reparatur von Personen- und Güterwagen. Während der 1930er Jahre wird das Werk, nach der Übernahme durch die Deutsche Reichsbahn, weiter ausgebaut und beschäftigt in der Zeit des 2. Weltkrieges schätzungsweise 550 Kriegsgefangene. Im Mai 1944 ist das RAW Ziel alliierter Luftangriffe, gut ein dutzend Gebäude fallen den Bomben zum Opfer, mehrere Arbeiter, darunter viele Kriegsgefangene, verlieren gleichzeitig ihr Leben, es ist die dunkelste Stunde in der Geschichte des Standortes. 1950 wird das komplette RAW durch die neue Wirtschaftsführung der DDR in Volkseigentum überführt und in den "VEB Reichsbahnausbesserungswerk '7.Oktober'" umgewandelt. Den Namen erhält es als Anlehnung an das Gründungsdatum der Deutschen Demokratischen Republik. Da auch die Deutsche Reichsbahn ihr Gütersystem auf moderne Containerabfertigung umstellt, wird das RAW im Jahr 1967 auserwählt, um die neuen 10 & 20 Fuß Container für die Bahngesellschaft der DDR zu bauen. Nur ein Jahr später geht gleichzeitig aber auch die Ära der Dampflokomotiven hier zu Ende, die Letzte ihrer Art verlässt die alten Hallen und das neue Zeitalter der Diesellokomotiven wirft schon seine Schatten voraus. Es ist auch die Hochzeit des RAW '7.Oktober', so sind es in diesen Jahren etwa 3.300 Angestellte, welche täglich ihren Arbeitsweg in das weitläufige Gelände gehen und den DDR-Bahnverkehr am Leben halten.

Mit dem Jahr 1990 übernimmt die Deutsche Bahn den kompletten Werkskomplex von der Deutschen Reichsbahn und beendet 1992 die Containerproduktion. Gleichzeitig werden mehrere Millionen Deutsche Mark an Fördergeldern in das Werk investiert, das obwohl die DB das Werk gleichzeitig schrittweise herunter fährt. Schicksalsgebend ist das Jahr 2001, der Vorstand der DB AG beschließt das vorzeitige Ende für das Reichsbahnausbesserungswerk, es beginnt ein harter Kampf in der alten Industriestadt für den Erhalt der hunderten Arbeitsplätze, doch er ist vergeblich, 2004 verlässt der letzte Güterwaggon das alte Eisenbahnwerk und beendet damit eine Ära, hunderte Arbeiter verlieren dabei ihre Existenzgrundlage. Fortan wird einzig ein kleiner Teil des Werkes als Instandhaltungswerk weiter betrieben. Doch mit dem Beschluss der Bundesländer Sachsen und Thüringen, trotz enormer bürgerlicher Gegenwehr, an dieser Stelle einen neuen Riesenknast zu bauen, ist das endgültige Ende für das Areal besiegelt. Ende 2015 schließt die Deutsche Bahn die letzte Werkstatt am Standort und die letzten 50 Mitarbeiter sind die Letzten von einst mehreren Tausend im alten RAW. Mit dem Frühling 2016 beginnt der Abriss des 30 Fußballfelder großen Areals, nach und nach wird eine Halle, ein Stück Industriegeschichte nach dem anderem eingeebnet. Industriekultur verschwindet.
Wir zeigen euch wohl die letzten Bilder aus diesem einzigartigen Ort der ostdeutschen Eisenbahngeschichte. Viele Jahre, nachdem hier die letzten Arbeiter an den Maschinen standen, geben diese gigantischen Hallen immer noch ein magischen Gefühl auf den Betrachter ab, es riecht nach alten Öl und innerlich hört man noch das Jauchen der einrollenden Lokomotiven und Waggons. Doch es ist ganz still geworden in den alten Hallen der Arbeit. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wenn sie die Armee aus Baggern durch die hundert Jahre alten Hallen hindurchfressen und Industriearchitektur zur einer Wüste aus Schutt verwandeln.

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