Vergangen

Sachsen ist nicht nur das Land der Schlösser und Burgen, sondern auch eine der ältesten Industrieregionen der Welt. So hat wohl keine andere Zeitepoche die Sachsen so intensiv geprägt wie die Industrialisierung zwischen Erzgebirge und Leipziger Tiefland. Doch der Weg von den ersten Baumwollspindeln bis zu den modernesten High-Tech- Produkten „made in Saxony“ war lang und hat neben dem bekannten sächsischen Erfindungsgeist auch eine Unmenge an imposanten Fabrikbauwerken im Freistaat hinterlassen. Gebäude aus den Blütezeiten der Vergangenheit in einem heute starken Kontrast zwischen Umnutzung und Verfall.

In seinem Vortrag geht Basti Dämmler kurz auf die Arbeit als Projektadministrator im Netzwerk „Industrie.Kultur.Ost“ ein und nimmt dann das Auditorium mit auf eine Reise durch 220 Jahre sächsische Industriegeschichte und Fabrikarchitektur. Vieler Orts sind die markanten Fabriken zu einem Teil regionaler Identität geworden. Als Wirkungsstätten der eigenen Vorfahren haben sie sich aber auch zu Problemkindern in den Gemeinden entwickelt und so oft verliert man geblendet vom Verfall den Sinn für die Wertigkeit dieser Bauwerke. Doch wie hat sich dieser Bauwerkstypus in der Region entwickelt? Warum gibt es gerade in Westsachsen eine so große Vielfalt an Fabrikgebäuden? Und wie lassen sich diese großen Bauwerke überhaupt beleben und welche neuen Ansätze gibt es im Umgang mit diesem sächsischen Erbe? Alles Fragen, auf die Basti Dämmler bildlich versuchen wird eine Antwort zu finden. 


Demnächst

 

Die sächsichen Spinnmühlen    

Geschichte und Bestand eines (fast) vergessenen Kulturschatzes

Vortrag am 27.9.2017 im Esche-Museum Limbach-Oberfrohna

 

In einem morgendlichen Tiefschlaf liegt das Flusstal am Nordhang des Erzgebirges da. Der Nebel hängt tief zwischen den Berghängen. Am wild rauschenden Fluss erhebt sich der weiße Koloss empor.  Auf sechs Vollgeschossen thront ein majestätisches Mansarddach, gekrönt von einem Glockenturm. Das Wasserrad knarrt und die Spinnmaschinen im Inneren rattern. Ein Bauwerk aus den Anfängen einer neuen Zeit, eine sächsische Spinnmühle.     
Dieser erste Fabriktypus als wasserbetriebe Spinnerei bildete die Grundlage für die Industrialisierung in Mitteldeutschland. Noch bevor die ersten Dampfmaschinen schnauften und die ersten Automobile rauschten, standen in den Flusstälern des Erzgebirges und im Vogtland die Spinnmühlen und veränderten mit ihrem Wirken ganze Regionen bis in die heutige Zeit. So ist für die sächsischen Exemplare dieses Fabriktyps nicht nur das hohe Alter und die besondere architektonische Ausformung charakteristisch, sondern auch ihre europäische Einzigartigkeit. Nirgendswo in Europa, selbst im Mutterland England, existiert noch eine so breite Vielfalt an Spinnmühlen, wie in Sachsen. Doch dieser große kulturelle Schatz steht heute einer großen Verlustgefahr gegenüber. Es ist ein internationales Kulturgut im Tiefschlaf. Doch was zeichnet diese Bauwerke aus? Wer hat sie gebaut? Und wo existieren  diese noch fernab der öffentlichen Wahrnehmung?
In diesem Vortrag betrachtet Basti Dämmler, Gründer und Projektadministrator des Netzwerkes ‚Industrie.Kultur.Ost’, die wechselhafte Geschichte der sächsischen Spinnmühlen bis in die heutige Gegenwart. Von den Anfängen des deutschen Fabrikbauwesens und den Pionieren der ersten industriellen Blütezeit, bis zu dem heutigen Bestand der Bauwerke in Sachsen und ihrer Zukunft im europäischen Kontext. Eine bautechnische und architektonische Zeitreise verbunden mit neuen wissenschaftlichen Entdeckungen in Bestand und Substanz. Von den Geburtsorten unserer heutigen Gesellschaft, direkt vor der eigenen Haustür.