Die alte Spinnmühle in Schlettau

 

 

 

Seit dem Jahre 2017 ist sich Sachsen dessen bewusst, dass die in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. errichteten Spinnmühlen in Erzgebirge eine große Bedeutung für die Entwicklung der Textilindustrie des Landes hatten. Neben weitsichtigen Unternehmern hatten der Maschinenbauer E. Evans und die Baumeister J. T. Lohse und C. F. Uhlig einen wesentlichen Einfluss auf diese Entwicklung.

Die Spinnmühle in Schlettau an der Zschopau im Erzgebirgskreis ist ein aussagekräftiges Zeugnis dieser wirtschaftlichen und zugleich kulturellen Geschichte Sachsens. Sie wurde in den Jahren 1835/6 von Johann Traugott Lohse am Ufer der Zschopau als zweites Gebäude der Bauwollspinnerei Lohse & Naumann errichtet.

 

Es enthält mit kreuzförmigen Grundriss alle Merkmale des „palastartigen“ Stils der Fabrikgebäude von Lohse in besonders klarer - man kann auch sagen „reifen“ - Form:

 

  • die Dreiviertel-Kollosalsäulen mit Sockel und Deckplatte jeweils mit Wulst

  • die Risalitenbis über die Traufkante hinaus mit einem dekorativen Dreiecksgiebel

  • Das Kielbogendach

  • Baumerkmale, die u.a. durch Platzerweiterung (im Dach) und Stabilität (in die Mauern integrierte Säulen) den Anforderungen der Spinnerei-Arbeitsweise entsprachen

Diese Merkmale besitzt die Spinnerei Schlettau bei vergleichsweise geringer Bauhöhe von nur drei Geschossen und zwei Dachgeschossen sowie 430qm Grundfläche. Das Gebäude wurde ab der 80er Jahre des 19. Jh. als Knochenmühle genutzt und steht seit ca. 25 Jahren leer. Es ist infolgedessen sanierungsbedürftig!

Der Standort Schlettau des Gebäudes ist zugleich eine Würdigung Lohses, denn er war von 1812 bis zu seinem Tod 1836 Bürger der Stadt. Von hier aus war er weiterhin als Baumeister bedeutender Gebäude tätig, errichtet in Schlettau ein Unternehmen, das 1814 mit der Produktion von Baumwoll-Garnen begann und schließlich aus drei Spinnmühlen bestand. Das bedeutete für die Stadt den Beginn des industriellen Zeitalters; über 150 Menschen erhielten einen Arbeitsplatz . Lohse führte 1819 umfangreiche Erhaltungs- und Nutzungsmaßnahmen an dem von ihm ersteigerten Schloss Schlettau aus dem 14. Jh. durch. Damit blieb es für spätere Restaurierung bis heute erhalten.

 

Dieses Schloss, das heute ein Museum und Kulturhaus ist, steht stromabwärts links der Zschopau auf gleicher Höhe mit der Spinnmühle, die sich rechts nahe am Zschopau-Ufer befindet. Beide Gebäude können leicht durch einen kurzen Fußweg miteinander verbunden werden und so ein historisch wertvolles Ensemble für Denkmalpflege und Tourismus bilden.

 

Aufgrund der Auswertung von historischen Dokumenten ist die ursprüngliche technische Spinnerei-Ausrüstung und der Wasserkraftantrieb der Spinnerei bekannt; das könnte einer künftigen Museumsausgestaltung dienen. (Broschüre „Historische Begebenheiten um Schloss Schlettau – Die Baumwollspinnereien in Schlettau“, Förderverein Schloss Schlettau 2016.)

 

Vorausschauende Gedanken zur Nutzung der alten Spinnmühle als museale

Erlebniswelt „ Eine Spinnmühle aus dem Jahr 1836“ umfassen die lebendige Darstellung der Vorbereitung des maschinellen Spinnens, einer Spinning Mule, die Arbeitsbedingungen auch der beschäftigten Kinder, der damalige Maschinen- und Aufzugssantrieb und sowie die Garnarten für verschieden-artige weitere Verarbeitung.

 

Mit Zustimmung des Landrates des Erzgebirgskreises bemüht sich eine Gruppe von Bürgern aus Schlettau und Umgebung darum, dieser alten Spinnmühle ihren angemessenen Platz im Rahmen der sächsischen Bemühungen um den Erhalt und die sinnvolle Nutzung dieser wertvollen Gebäude zu sichern.

 


Ansprechpartner sind:

 

Doz. Dr. Dieter Rausendorff, / post@dieter-rausendorff.de

 

M. Greifenhagen,Bürgermeister a.D. / matthias.greifenhagen@gmx.de

 

Ralf Graupner, Ortschronist / ralfgraupner@t-online.de

 

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