BAUJAHR: 1884

ANGESTELLTE: 6000

LIQUIDATION: 1992
DENKMALSCHUTZ: Hauptgebäude

 

IN SANIERUNG

 

142 Jahre lang produziert man in der kleinen Stadt Aue im Erzgebirge das Besteck für ganz Europa.

1850 gründet Christian Gottlieb Wellner in Aue seine Argentanfabrik. Hauptprodukte sind Haushaltsartikel aus Neusilber. Bereits 1858 übernimmt sein Sohn Carl August Wellner das wachsende Unternehmen und baut es in der Folgezeit stetig weiter aus. 1884 wird das markante Hauptgebäude mit Glockenturm eingeweiht, neben vielen Schmuckdekoren enthält es auch ein Relief des Firmenwappens, einem Elefanten mit Würfel. Es entstehen zudem Zweigwerke und Niederlassungen in vielen Teilen des Deutschen Reiches und den Nachbarstaaten. Die Bestecke aus Aue werden so zum Exportschlager und gehen regelrecht um die ganze Welt.

Nachdem Carl Wellners Kinder das Unternehmen übernehmen, wandeln sie es 1913 in eine Aktiengesellschaft um und mobilisieren damit weiteres Kapital. Im kurz darauf folgenden 1. Weltkrieg wird die Produktion umgestellt, ab sofort werden in der weitläufigen Fabrik Granathülsen und Munition für die Westfront hergestellt. Nach dem Weltkrieg wird die Produktion von Bestecken wieder aufgenommen und es kommen weitere Zweigprodukte hinzu. In den "Goldenen Zwanzigern" wächst das Unternehmen enorm an und erhält seine größte Ausdehnung. Fast jeder zweite Haushalt und die größten deutschen Ozeandampfer in dieser Zeit hatten Tafelbesteck aus Aue.

300.000 Tonen Neusilber werden in den architektonisch reizvollen Hallen von 6000 Beschäftigten verarbeitet. 1929 entsteht dazu im Stadtteil Neudörfel eine firmeneigene Wohnsiedlung für Arbeiter. Doch die Weltwirtschaftskrise 1929 bringt das Unternehmen zum ersten Mal ins Schwanken, nur die sächsischen Großbanken können ein Bankrott verhindern. Die darauf folgenden 30er Jahre machen es der Wellner'scher Fabrik nicht einfacher, ein Gesetz von 1934 verbietet die Ausfuhr von Neusilberprodukten und raubt dem Unternehmen damit den größten Exportanteil. Folge ist eine stetige Absenkung der Produktionsleistung.
Nachdem im 2. Weltkrieg abermals Rüstungsgüter produziert wurde, wird das Unternehmen 1946 enteignet, die Familie Wellner verliert dabei ihren gesamten Besitz, darunter auch 16 Immobilien in Aue. Unter den neuen Namen „VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke" (ABS) werden ab den 1950er Jahren wieder Bestecke in den alten Hallen hergestellt. Der Betrieb wird von der DDR-Regierung stark gefördert und so produzieren 900 Angestellte 1970 Tafelgeschirr, nun auch wieder für den Export.

Nach der Wende 1990 erhält die Familie Wellner ihren alten Besitz wieder zurück. Da diese aber kein Interesse für die Anlagen haben, wird die Produktion am Standort Aue 1992 aufgegeben und die Gebäude dem Verfall überlassen. Es ist das Ende einer Ära in Aue.

 

 

Quelle: "50 Jahre im Dienste der Arbeit und Industrie 18. Juni 1854-1904", Aue, 1904

Hauptwerk


Arbeitersiedlung Auerhammer

Bildquelle: "50 Jahre im Dienste der Arbeit und Industrie, 18. Juni 1854-1904", Aue, 1904


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