BAUJAHR: 1909

ANGESTELLTE: -

LIQUIDATION: 1997
DENKMALSCHUTZ: Ja

 

Wer heute an Bitterfeld-Wolfen denkt, der denkt an die graue rußige Luft und den beißenden Geruch in der Nase, wenn man sich den beiden Städten zu DDR-Zeiten näherte. Nicht ohne Grund war Bitterfeld-Wolfen die dreckigste Stadt in der DDR. Doch auf der anderen Seite steht das Gebiet in Sachsen-Anhalt auch lange Zeit für das Herz der deutschen Chemieindustrie. Einer der vielen Firmen, die sich hier bereits im frühen 20. Jahrhundert ansiedelten, war die AGFA, später ein Unternehmen mit Weltruf.

1909 gründet die Agfa AG (Anilin-Fabrikation) westlich der Stadt Wolfen die Filmfabrik. Hergestellt wird seit Beginn, auf dem gigantischen Areal der Fabrik, Filme für Fotoapperate, Reprografie- und Röntgenfilmmaterial. 1925 geht die Filmfabrik in den neugegründet deutschen Chemiemutterkonzern, der I.G. Farben, auf. In dieser übernehmen die Wolfener die Leitung der Filmherstellung des ganzen Konzerns und sichern sich ein Spitzenplatz auf dem Weltmarkt. 1936 entwickelt man als erster Konzern der Welt den Farbfilm, ein Durchbruch in der Filmtechnik, welcher erst nach den 2. Weltkrieg als Beutegut in die USA gelangt. Zudem beginnt 1943 in Wolfen die Produktion von Magnetbänder, wichtiges Grundmaterial für Audioaufnahmen.

Am 20. April 1945 übernehmen die US-Streitkräfte die Filmfabrik und überführen wichtige Dokumente und Patente in die USA, bevor das Werk am 1. Juli 1945 an die Sowj. Streitkräfte übergeben wird. Unter sowjetischer Kontrolle wird die Fabrik 1946 in eine SAG umgewandelt und entgeht trotzdem nicht der Demontage von Anlage durch die Sowj. Streitkräfte, ca. die Hälfte der Maschinen gehen dabei in die Ukraine.

Nach der Gründung der DDR wird die Filmfabrik am 31. Dezember 1953 in den "VEB Film- und Chemiewerk Agfa Wolfen" umgewandelt. Da es weiterhin Konflikte mit der Agfa, welche in Leverkusen die Filmproduktion fortsetzt, um Patente und Name gibt, muss die DDR-Regierung eingreifen und befielt den alten weltbekannten Namen fallen zu lassen und unter einem neuen Label den Neuanfang aufzubauen. So erhält die Filmfabrik Wolfen ab 1964 den Namen "ORWO" (Original Wolfen). 1970 beginnt in der DDR die Bildung der Kombinate und die Filmfabrik ORWO wird Stammbetrieb des Kombinates "Fotochemie". Bis 1990 produziert man als ORWO in Wolfen sehr erfolgreich und kann sich auf den Märkten jenseits der DDR-Staatsgrenzen etablieren.

Nach dem Zusammenfall der sozialistischen Welt wird das Kombinat aufgelöst und es entsteht daraus die "Filmfabrik Wolfen AG". 1992 folgt der Versuch der Privatisierung als "Filmfabrik Wolfen GmbH", doch auch dieses Unternehmen scheitert und so wird 1994 die Filmfabrik Wolfen komplett liquidiert. Noch im selben Jahr versucht Heinrich Mandermann das Unternehmen und die Tradition in Wolfen noch zu retten und gründet aus der Liquidationsmasse die "ORWO AG", doch auch für diesen letzten Versuch kommt 1997 das Ende. Ein Neuanfang wollte einfach nicht gelingen. Es ist damit das Ende der weltberühmten Filmfabrik. Seither fertigen nur noch kleine Unternehmen in Teilen des ehemaligen Werkes Film- und Fototechnische Ausrüstung, mit ihnen lebt die Tradition der Wolfener heute ein wenig weiter. Dennoch wurden inzwischen ca. ¾ des alten Werkes abgerissen und die heutigen übriggebliebenen Gebäude stehen einsam auf riesigen Wiesen, so kann man nur noch mit Phantasie die einstige Größe der Filmfabrik erahnen.

 

Quelle: Karlsch,R./Wagner,P.: "Die AGFA-ORWO-Story", Berlin, 2010

 

 


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