Pressemitteilung:  Meinertsche Spinnmühle Lugau - 

Netzwerk Industrie.Kultur.Ost ruft das Landratsamt Erzgebirgskreis, die Stadt Lugau und den Besitzer der Liegenschaft Meinertsche Spinnmühle Lugau zum teilweisen Erhalt des einzigartigen Industriebauwerkes auf

 

Netzwerk Industrie.Kultur.Ost

Pressemitteilung vom 27.06.2016

 

 

Meinertsche Spinnmühle Lugau - Landratsamt ist in der Pflicht ein bedeutendes Kulturdenkmal der sächsischen Geschichte zu erhalten.

 

Lugau. Das Netzwerk Industrie.Kultur.Ost, die größte ehrenamtliche Plattform für ostdeutsche Industriegeschichte und Fabrikarchitektur, ruft das Landratsamt Erzgebirgskreis, die Stadt Lugau und den Besitzer der Liegenschaft Meinertsche Spinnmühle an der ‚Unteren Hauptstraße’ in Lugau/Erz. dazu auf, dieses industriehistorisch einzigartige Kulturdenkmal der sächsischen Industriegeschichte zu erhalten und von einem Totalabriss abzusehen. 

 

 

Sachsen im Jahr 2016 ist ein Land der Ingenieure, der Erfindungen und Entdeckungen, ständig im Streben die Welt zu verbessern. So ist diese sächsische Kultur des Fortschrittes heute das Ergebnis einer einzigartigen industriehistorischen Entwicklung, denn Sachsen ist seit dem Jahr 1800 ein Industrieland erster Klasse. Das Land gehörte zu den ältesten Industrieregionen in Kontinentaleuropa und erlangte in den weiteren 200 Jahren eine Vorreiterstellung im Maschinenbau, Automobilbau, Bergbau und der Textilindustrie, welche den Namen Sachsens in der ganzen Welt verbreiteten. Einher geht eine bemerkenswerte Breite an historischen Bauwerken, welche europäischen Seltenheitswert haben. Zu diesen einzigartigen Bauwerken zählen zweifellos die sächsischen Spinnmühlen, die letzten Relikte aus der ersten Phase der deutschen Industrialisierung und Indikatoren in der Entwicklung des Landes zur Industrienation. 

 

Die Meinertsche Spinnmühle in Lugau steht dabei nun kurz vor dem Totalabriss. Ohne Rücksicht auf die historische und kulturelle Bedeutung dieses einzigartigen Industriebauwerkes hat das Landratsamt Erzgebirge die komplette Beseitigung, ohne eigenen Zugzwang, angeordnet. Die 1812 von Baumeister Johann Traugott Lohse (1760-1836) erbaute Spinnmühle gehörte zu den ersten Fabrikbauwerken in Deutschland und bildete einen Grundpfeiler für die sächsische Industrialisierung. Sie reit sich hier in eine kleine Gruppe  der noch existierenden Spinnmühlen an den Flüssen des Erzgebirges ein, doch ihre Bausubstanz macht sie in dieser Gruppe absolut einzigartig. Die Spinnmühle Lugau ist die letzte ihrer Art in Mitteleuropa, welche in der Palastarchitektur erbaut, noch eine komplette Originalsubstanz aufzuweisen hat. Prägnant mit Bruchstein-Mauerwerk, Dreiviertelecksäulen und zweigeschossigen Mansarddach. So gibt es sie kein zweites Mal und umso schmerzvoller wäre ein Verlust jener für die sächsische Geschichtsschreibung. 

 

Die Stadt Lugau, das Landratsamt Erzgebirgskreis und der Besitzer der Meinertschen Spinnmühle haben in ihrer Pflicht, dieses einzigartige Kulturdenkmal in den vergangenen Jahren zu erhalten, komplett versagt. Ihre Absicht war auf den Verfall konzentriert, Rettungsaktionen und versuchte Dialoge zum Erhalt der Spinnmühle durch verschiedenste bürgerliche Initiativen ließen sie dabei konsequent abblocken. Es beschreibt ein fahrlässiges Verhalten dieser Institutionen mit dem Umgang unserer sächsischen Kulturdenkmäler und unserer Aufgabe zur Wahrung der eigenen Identität unseren nachkommenden Generationen gegenüber.

 

In diesem Sinne ist das Landratsamt Erzgebirgskreis, die Stadt Lugau und der Besitzer der Liegenschaft nun in der Pflicht ihre Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren und von einem Totalabriss der Meinertschen Spinnmühle abzusehen. Dieser Abriss nützt niemanden etwas und zeugt nur von einer übereilten Handlung der politischen Ebene. Wichtigste Aufgabe ist es stattdessen sicherheitsgefährliche Bauelemente fachmännisch abzutragen und den Baukörper mit den prägenden stilistischen Elementen zu erhalten, somit gibt man dem Gebäude die Chance auf den Erhalt und verschiedenste Initiativen die Zeit einen Lösungsvorschlag auszuarbeiten. Dies erfordert aber auch Gesprächsbereitschaft von Seiten der regionalen Politik sowie einen Willen zum Erhalt dieses Denkmales. Viele gleichartige Beispiele aus Deutschland beweisen, dass eine solche Strategie zum Erfolg führen kann und auch bautechnisch umsatzbar ist.

 

Schaffen es diese Institutionen nicht ein derartiges Baudenkmal zu erhalten, dann wird wohl auf ewig das Versagen von Politik und Denkmalschutz an diesem Abriss anhaften und einen tiefen Bruch im Vertrauensverhältnis zwischen der politischen Ebene und ehrenamtlichen Bürgerinitiativen, Denkmalschützern sowie wissenschaftlichen Vertretern hervorrufen. Ein Abriss der Meinertschen Spinnmühle wäre nicht nur ein außerordentlicher bauhistorischer, industriehistorischer und kultureller Verlust, er hätte auch Folgen auf die Denkmalschutzarbeit im Freistaat Sachsen. Aus diesem Grund muss von allen Seiten alles für den Erhalt getan werden. Zum Schutze unserer sächsischen Geschichte und unserer Aufgabe den nachfolgenden Generationen gegenüber.

 

 

 

Für das Netzwerk Industrie.Kultur.Ost: Basti Dämmler, Projektadministrator