BAUJAHR: 1893/1901

ANGESTELLTE: 1400

LIQUIDATION: 1990
DENKMALSCHUTZ: Werk I: Wohngebäude

  Werk II: Ja

 TEILABRISS 2016

 

Am 1. März 1831 wird Carl Wilhelm Schletter in Thalheim geboren, seine Familie gehört zu eine der ältesten Strumpfwirkerfamilien in Deutschland. 1877 gründet sein Sohn Carl Gustav Schletter eine Strumpfwirkerei in der Nähe des Thalheimer Bahnhofes, durch eine betriebliche Namengleichheit in der Stadt muss er das junge Unternehmen in "C.W.Schletter Thalheim" umbenennen. 1879 kauft er ein benachbartes Grundstück auf und errichtet auf diesen eine neue Strumpffabrik mit Wohnhaus. Die Fabrik wächst und kommt damit schnell an ihre Grenzen auf dem Grundstück, damit war Schletter gezwungen 1906/07 im Nachbarort Dorfchemnitz eine neue Fabrik zu errichten. Sein Sohn Albert Schletter, der inzwischen die Stricke im Unternehmen mit seinem Bruder Max Schletter mit lenkt, erwirbt 1907  in Dorfchemnitz die spätere „Schletter-Villa“, ein großer Prestigebau der Textilfamilie. Am 26. Mai 1934 verstirbt Firmengründer Carl Gustav und die Söhne Max und Albert führen die Familientradition fort. Max Schletter, der später die Tochter des Thalheimer Strumpffabrikanten Görner jr. heiratete, übernahm die Leitung des Werkes in Thalheim, sein Bruder Albert das Werk in Dorfchemnitz. 1910 errichtet man zudem in Chemnitz eine Appreturfabrik für Strumpfwaren. 

Während des 1. Weltkrieg fertigt man in den Fabriken Schletters Granathülsen und konnte so das Wirtschaftstief in der Strumpfwirkerei jener Zeit umgehen. 1927 kauft man das Grundstück samt Gebäude der Eisenhammer AG in Thalheim und richtet dort fortan eine neue Produktion von Strumpfwaren ein. In diesen 4 Betrieben der Schletter Strumpfwarenfabriken arbeiteten zeitweise bis zu 1400 Arbeiter, allein 500 davon im Werk Dorfchemnitz. 1934 übergibt Gustav Schletter den Betrieb vollkommen seinen Söhnen, welche 1935 aus dem Unternehmen eine Kommanditgesellschaft gründen. 1931 gelingt der Sprung ins Ausland und man gründet in Wien die „Floridsdorfer Strumpffabrik GmbH“, eine Produktionsniederlassung des Thalheimer Unternehmens. Durch einen Exportanteil von 80% kann das Unternehmen zu einer der bedeutensten Feinstrumpfwerke im Deutschen Reich aufsteigen. Die Strumpfwaren von Schletter gehen dabei vorwiegend nach Kuba, USA, Frankreich und Skandinavien. In der Kriegsnot des 2. Weltkrieges gründet man die Carl-Gustav-Schletter-Stiftung um die soziale Fürsorge aufrecht zu erhalten. Doch der Krieg kostete seine Opfer, das Werk in Wien wurde durch Bombenangriffe vollkommen zerstört und das Werk in Chemnitz geht in Flammen auf.

Das Kriegsende bedeutete nicht nur das Ende einer Ära für Deutschland, sondern auch das Ende der Familientradition in der Firma Schletter in Thalheim. Ca. 50% des Maschinenparkes werden demontiert und durch die Besatzungsmacht nach Russland überführt. Unter ihnen waren die feinsten Wirkmaschinen, welche es in der Strumpfwirkerei gibt (60 ggs). Die Familie Schletter wird 1948 restlos enteignet und muss innerhalb von einer Stunde das Unternehmen verlassen. Die Produktion in den Fabriken läuft dennoch wieder an, wenn auch nur sehr langsam. Die Familienmitglieder nun als einfache  Angestellte in ihrer alten Firma arbeiten. Max Schletter stirbt 1954 in Stollberg. Albert Schletter verstirbt mit 90 Jahren im Jahre 1972, er wird im Familiengrab neben seinem Bruder in Thalheim beigesetzt. Die Fabrikanlagen werden in den "VEB Strumpfwerke '3 Tannen' Thalheim" eingegliedert und später in das Kombinat "ESDA Thalheim" überführt.

Nach 1990 wird die Produktion in den Werken in Thalheim eingestellt, einzig das Werk Dorfchemnitz übernimmt die Firma „FALKE Strumpffabrik GmbH“ von der Treuhandanstalt für 1,-DM. Während die Werke in Eisenhammer und Dorfchemnitz damit noch weiter genutzt werden, verfallen das Hauptwerk in Thalheim sowie das Zweigwerk in Chemnitz. Am Hauptwerk erfolgt dabei 2016 ein Teilabriss mit Beseitigung des "Altbau". 

 

Quelle: Carl Schletter

(Edit 1.2017) 

Werk 1 Thalheim

Werk 2 Dorfchemnitz

BAUJAHR: 1907

Verkauskontor Chemnitz

BAUJAHR: 1910


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