BAUJAHR: 1922

ANGESTELLTE: -

LIQUIDATION: 1932

 

Bevor die ersten Automobile in Chemnitz die Werkhallen verließen eroberten die Unternehmen mit Motorrädern bereits die Welt. Im Vergleich zu teuren Autos und sehr individuellen Maschinen waren diese Fortbewegungsmittel recht krisensicher und gehörten irgendwo zu fast jeden Portfolio der großen Maschinenhersteller in Chemnitz. Ähnliche Wege ging auch die Firma Schüttoff. 

1916 kauft sich Arthur Schüttoff mit 20.000 Mark in die Firma "Müller & Steinle GmbH" in Chemnitz ein.  Das 1912 gegründete Unternehmen etablierte sich früh als Reparaturwerkstatt für Horch- und Opelautomobile. Bereits kurz nachdem Schüttoff sich eingekauft hat, firmiert die Firma sich zur "Schüttoff & Bäßler GmbH" neu. Man zieht darauf von Schönau in den Stadtteil Altchemnitz und errichtet dort neue Werksgebäude. 1920 übernimmt Arthur Schüttoff die Firma dann komplett, während sein ehemaliger zweiter Geschäftsführer Albert Bäßler die Opel-Werkstatt in Schönau weiter betreibt. Die alte Firma wird kurz darauf liquidiert und 1921 entsteht auf deren Grundlage die "Schüttoff AG". Hauptprodukt des Unternehmens sind Werkzeugmaschinen, hier besonders Fräs- und Drehmaschinen. Doch Arthur Schüttoff war ein cleverer Geschäftsmann, er hat während seiner Zeit bei den Wanderer Werken gelernt, wie man Marktlücken erobert. So setzt er 1923 einen lange gereiften Plan um und produziert die ersten Motorräder unter seinem Namen. Aber er will keine Volksräder bauen, sondern spezialisiert sich auf hochwertige Motorräder mit Viertaktmotoren. Vorwiegend 350 ccm und 500 ccm-Modelle werden an die Kunden ausgeliefert. Die Motorräder sind auf Leistung getrimmt und heben sich schnell im Straßenbild von ihrer, oft stadteigenen, Konkurrenz ab. Diese Grundlage machte die Maschinen auch ideal für die sehr populären Motorradrenner dieser Zeit, so starten einige Rennfahrer auf Schüttoff-Maschinen. Die Rennerfolge und nicht zu letzt ihre aussergewöhnlich schöne Form mit dem Klang des Viertakters machen die Zweiräder aus Altchemnitz zu einem Erfolg in den betagteren Kundenkreisen. 
Doch der Erfolg währt nicht lange, die Weltwirtschaftskrise bringt das Unternehmen ins Schwanken, weder der Motorradbau, noch die Werkzeugmaschinen finden jetzt einen Absatz. In dieser Situation greift der DKW-Geschäftsführer J.S.Rasmussen ein und übernimmt 1928 die Aktienmehrheit in der Schüttoff AG. Durch verschiedene Kooperationen der Zschopauer Motorradbauer mit den Schüttoff-Werken versucht man in den Folgejahren die Produktion in Altchemnitz noch zu retten.  Aber auch gemeinsame Modelle können den Fall nicht stoppen. Etwa 1932 wird die Schüttoff AG Chemnitz liquidiert und ein großer Name verschwindet so aus der Industrie. Den Fabrikkomplex in Altchemnitz übernimmt 1933 die Auto Union aus der Konkursmasse, bekanntlich saß bei dieser J.S.Rasmussen im Aufsichtsrat und lenkte diesen letzten Schritt noch geschickt ein.  Das Werk wurde so ein Teil des gesamten Auto Union Komplexes in Altchemnitz, mit den ehemaligen Presto-Werken als Stammsitz. Bei Schüttoff kommt nun die Produktion von Dynastartanlagen unter, sowie die Sportabteilung für Langstrecken- und Geländefahrten. Nach dem Ende des Motorradbaues verkleinert Arthur Schüttoff seine Firma und setzt an einem neuen Standort die Werkzeugmaschinenproduktion bis zu seinem Tod 1946 fort.
Nach der Gründung der DDR und der Auflösung der "Auto Union AG" kommt in den historischen Werkhallen der "VEB Werbe- & Ausstellungsbau" unter. 1990 ist dann auch damit Schluss und die Werkhallen der Schüttoff AG verfallen, bis auf das ehemalige Verwaltungsgebäude werden 2012 alle übrigen Hallen auf dem Areal abgerissen, doch auch der markante Ziegelbau hat eine ungewisse Zukunft vor sich.

QUELLE:


"Fahrzeugspuren in Chemnitz" - F.Bach


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