BAUJAHR: 1897

ANGESTELLTE: -

LIQUIDATION: 1945

 

Kaum ein anderes Gebäude in Chemnitz hat so viel Geschichte im Automobilbau, wie der lange Stahlbetonbau in Altchemnitz. Als Wiege des Chemnitzer Fahrzeugbaues und später als Konzernzentrale der Auto Union trug es den Namen der Stadt weit in die Welt hinaus. Große Menschen der Geschichte gingen hier ein und aus, doch alles ist nur der Staub der Vergangenheit, wenn man es heute betrachtet.

1897 gründet Georg Günther in Tharandt bei Dresden die „Presto-Fahrradwerke Günther & Co. KG“ und geht damit mit dem Trend der Zeit, als in ganz Deutschland die Fahrradfabriken wie Pilze aus dem Boden schießen. Bereits im selben Jahr entsteht in Chemnitz die erste Fabrik der Presto-Werke, nur 4 Jahr später kommen Motorräder in das Produktionsprogramm und Presto entwickelt sich so zum größten Zweiradhersteller, neben den Wanderer-Werken, in Chemnitz. 1907 steigt man, durch   einen Lizenzbau von Delahaye aus Frankreich, in das Automobilgeschäft ein, es ist der Anfang einer Automobilen Erfolgsgeschichte auf vier Rädern in Altchemnitz. Ein Jahr später bereits entsteht bei Presto der erste Rennwagen, allerdings erringt er nur mäßigem Erfolg bei der Prinz-Heinrich Fahrt.    Die Konstruktion und Fertigung von eigenen Fahrzeugen beginnt im Jahr 1910, der Automobilbau ist die wichtigste Stütze der Presto-Werke, dennoch ist gerade in Sachsen die Konkurrenz zu dieser Zeit sehr groß. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg schließt sich das Chemnitzer Unternehmen mit einigen anderen Herstellern zum "DAK" (Deutscher Automobilkonzern) zusammen, welcher in dieser Verfassung aber nur bis 1926 besteht. Noch im selben Jahr übernehmen die Dux-Werke aus Leipzig das Presto-Unternehmen und vergrößert damit seine Angebotspalette und konnte mit der Chemnitzer Hilfe erstmals einen 6-Zylinder-Fahrzeug auf den Markt bringen. Es ist aber genau jenes neue Fahrzeug, welches das Unternehmer stark in Schwierigkeiten bringt, die Kunden sind unzufrieden und so beginnt auch die Dux-Presto-Vereinigung in die roten Zahlen abzurutschen. 1927 kauft nun die NAG aus Berlin das Unternehmen aus Chemnitz von den Dux-Werken auf und versucht die Produktion aufrecht zu erhalten.  Alle Anstrengungen sind aber ohne Erfolg, 1928 muss die Fahrzeugproduktion bei Presto in Altchemnitz eingestellt werden. Alle Anstrengungen und Übernahmen haben ihre Wirkung verfehlt, das Unternehmen wird liquidiert und die Fertigungsanlagen demontiert, um diese bei NAG in Berlin wieder aufzustellen. Es ist das Ende der Presto-Werke aus Chemnitz. Die Marke NAG produziert bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in einem Nachbarwerk weiter Fahrräder.

Das Kapitel der Auto Union beginnt im Jahr 1932. Auf drängen der Sächsischen Staatsbank vereinigen sich die vier wirtschaftlich angeschlageneen sächsischen Hersteller Audi, Horch, DKW zu einem automobilen Großkonzern zusammen; hinzu wird die Automobilabteilung von Wanderer aufgekauft. Es ist die Geburtsstunde der Auto Union und damit der Vier Ringe aus Sachsen. Zu Beginn  hat das neue Unternehmen seinen Sitz noch in Zschopau im DKW-Werk. Als dort allerdings die Fläche zu klein werden, ist man gezwungen, sich eine neue Konzernverwaltung zu errichten. Da von Beginn an Chemnitz als neuer Konzernsitz festgelegt wird, zieht man in die Industriestadt um und findet hier 1936 mit den alten Presto-Werken eine neue Immobilie. Unter dem Aufwand großer finanzieller Mittel entsteht in den Folgejahren in Altchemnitz ein neuer großer Verwaltungskomplex mit eigenen Forschungs- und Fertigungsgebäuden. Zu diesem Zweck wird das Presto-Werk ausgiebig im Stil der Zeit umgebaut und kann 1937 von der Konzernleitung bezogen werden. Von nun ist der Sitz des zweitgrößten Automobilkonzerns im Deutschen Reich in Altchemnitz. Besonders imposant ist die große neue Empfangshalle der Hauptverwaltung, hier präsentiert die Auto Union ihre eigenen Errungenschaften des Fahrzeug- und Rennwagenbau stolz jedem Besucher, welcher die Vier Ringe aufsucht.

Als 1945 die Rote Armee Mittelsachsen immer näher rückt, packt die Konzernführung in Chemnitz ihre Sachen und flieht mit unzähligen Unterlagen in Führungskräften nach Westdeutschland in Richtung Ingolstadt. Die unzähligen Werke der Auto Union in Sachsen werden nach der Kapitulation des 3. Reiches restlos enteignet und demontiert. Der Konzern selbst wird am 17.August 1948 aus dem Handelsregister Chemnitz gelöscht. Damit endet auch das Kapitel der Vier Ringe in Sachsen, nach dem Neuanfang in Ingolstadt sollte das Unternehmen unter Führung der Volkswagen AG wieder zu alter Stärke zurück finden und heute mit dem alten Namen Audi wieder an alte Werte anknüpfen.

Das ehemalige Verwaltungsgebäude in Altchemnitz wird nach kurzem Leerstand zum Krankenhaus umgebaut. Es war Anfangs nur ein Provisorium, doch dieses hält beachtlich lange stand, erst 1997 wird das „Stadtpark Krankenhaus“ in Chemnitz geschlossen. Seither dieser Zeit steht das alte ehrwürdige Gebäude in Altchemnitz leer, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.


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